OGV Eichelsbach

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Geschichte

Am 16. Januar 1939 war es endlich soweit. Der bis dahin schon seit mehreren Jahren als Interessenvereinigung bestehende Club gründete den Gartenbau- und Obsteinlagerungsverein Eichelsbach e.V.. 74 Eichelsbacher waren bei der Gründungsversammlung, die im Gasthaus Zur Rose stattfand, anwesend.

In den ersten Vorstand wurden Franz Josef Weis als 1. Vorsitzender, Anton Zimlich als 2. Vorsitzender, Josef Wolf als Vereinsrechner, Wilhelm Rüth als Schriftführer und Michael Fecher, Richard Hein und Josef Amrhein als Beiräte gewählt.

Sogleich ging es an die Umsetzung des Vorhabens, einen Obsteinlagerungskeller zu bauen. Dieser Keller sollte erstellt werden, damit die Versorgung der Bevölkerung mit frischem Obst auch in der Winter- und Frühjahrszeit gewährleistet werden konnte. Architekt Georg Ackermann aus Aschaffenburg - Schweinheim wurde damit beauftragt, den Bauplan zu erstellen. Alle weiteren anstehenden Arbeiten wurden von dem sogenannten Kellerausschuss selbst in Angriff genommen, um einerseits Kosten zu sparen, andererseits aber auch schneller auf Schwierigkeiten reagieren zu können und freie Hand während der Bauzeit zu haben.

Und Schwierigkeiten sollten genügend auftreten.

Nachdem der Bauplatz auf einer Wiese neben der Dreschhalle ausgesucht und gegen einen Anteil am neuen Obstkeller in Höhe von 900 Reichsmark zur Verfügung stand, begannen die notwendigen Ausschachtungsarbeiten bereits Anfang Februar 1939.

Gleichzeitig ging es an die Beschaffung von Mauersteinen, Sand und Bauholz und aller weiteren erforderlichen Baumaterialien. Mitte Mai konnten dann die Maurerarbeiten begonnen werden - und schon zu Beginn der Obsternte 1939 war der Keller fertiggestellt.

Das Geld, das für den Bau des Kellers nötig war, wurde einerseits von den Mitgliedern des Gartenbau- und Obsteinlagerungsvereines Eichelsbach selbst, andererseits wurde noch ein Darlehen in Höhe von 10.000 Reichsmark beim Darlehensverein Eichelsbach (heute Raiffeisenbank) aufgenommen. Der gesamte Vorstand einschließlich der Ehefrauen unterschrieben eine Bürgschaft und übernahmen damit die Haftung für die Rückzahlung des Darlehens.

Die Steinesbeschaffung gestaltete sich nicht so einfach wie es heute ist. Vom Stift (Kloster Himmelthal) wurde eine Abbruchgenehmigung über 100 Kubikmeter Steine erteilt, welche aber für den Bau nicht ganz ausreichten. Der Antrag auf eine weitere Abbruchgenehmigung wurde abgelehnt. So verwendeten die Eichelsbacher die in ihren Gehöften vorhandenen und für Ausbesserungsarbeiten vorgesehenen Bausteine zum Weiterbau des Obstkellers. Weiterhin benötigte Steine wurden dann aus einem Steinbruch in Hainstadt käuflich erworben. Das Bauholz konnte nur teilweise aus dem eichelsbacher Gemeindewald zur Verfügung gestellt werden. 35 Kubikmeter wurden von der Gemeinde Sommerau gekauft, aber wegen fehlender Holzeinkaufsscheine vom Holzwirtschaftsverband Kassel beschlagnahmt. Wiederum musste man sich behelfen, aber mit Hilfe von Abfuhrholz, Schalbrettern und Latten, schaffte man es dennoch, den Obstkeller weiter zu bauen. Die benötigten Belüftungsklappen konnten nach einigen Schwierigkeiten wegen fehlender Kennziffern und nach zähen Verhandlungen beschafft werden.

Erwähnenswert ist der Gemeinschaftsgeist und die damit verbundene Zusammenarbeit, die den Bau des Obstkellers möglich machten. Ein gelungenes Einweihungsfest, bei dem Jung und Alt anwesend waren beendete die Bauarbeiten.

In der Zeit vor der Gründung des Gartenbau und Obsteinlagerungsvereines wurden kräftig neue Obstbäume (schätzungsweise 10.000!) angepflanzt und es entstanden einzigartige Streuobstwiesen, die sowohl ihre menschlichen Besitzer als auch ihre tierischen Bewohner gut ernährten. Heute würde man sich alle Hände nach solchen natürlichen Biotopen lecken.

Bereits in den folgenden Kriegsjahren bewährte sich der Obstkeller.

Auch in der schweren Nachkriegszeit konnte der vom Obstkeller ausgehende Nutzen nicht übersehen werden. Eichelsbacher Äpfel wurden bis nach Frankfurt verkauft.

1952 wurde Eichelsbach Mustergemeinde des Regierungsbezirkes Unterfranken gewählt. Das Hinweisschild Obstbaubeispielsgemeinde war lange Zeit an den Ortsein- und -ausgängen zu sehen.

Mit dem deutschen Wirtschaftswunder und der wachsenden, ständigen Verfügbarkeit ausländischer Obstware ging es langsam mit der Rentabilität des Obstkellers einerseits sowie des Streuobstanbaus andererseits bergab. Kaum einer wollte noch im Februar oder März einen im Herbst des Vorjahres eingelagerten, verschrumpelten, aber wohlschmeckenden Apfel haben, viele zogen die gut aussehende, aber oft fad schmeckende Ware aus den Supermärkten vor.

Es dauerte eine ganze Weile, bis man sich dazu durchrang, den unrentabel und nur noch Kosten verursachenden Obstkeller 1974 zu veräußern. Gleichzeitig gab es immer noch finanzielle Zuwendungen, wenn man die mit Hilfe finanzieller Zuwendungen angepflanzten Streuobstbestände durch Abholzen reduzierte. Das Aussehen unserer unmittelbaren Heimat wurde sehr stark verändert. Natürliche Lebensräume, die im Laufe von Jahrzehnten entstanden waren wurden in kurzer Zeit zu einem Großteil vernichtet.

Natürlich nahm und nimmt der Obst und Gartenbauverein genannte Obsteinlagerungsverein immer noch seine satzungsmäßigen Aufgaben und Ziele von einst wahr.

Nach wie vor wird der Obstbau-Nachwuchs auch heute in der Kunst des Obstbaumschnittes ausgebildet. Die noch vorhandenen Streuobstwiesen werden gepflegt und unterhalten. Fort- und Weiterbildung wird in Lehrgängen, Vorträgen und Lehrfahrten angeboten. Es besteht die begründete Hoffnung, im Rahmen der FFH - Bemühungen, weitere Flächen wieder zu Streuobstweisen machen zu können.

Selbstverständlich kam und kommt auch die Geselligkeit bei all den theoretischen und praktischen Veranstaltungen nicht zu kurz. Es ließen und lassen sich einige Lieder über die sprichwörtliche eichelsbacher Geselligkeit singen. Das sollte man aber nicht erzählen, das sollte man in Eichelsbach erleben. Wir laden Sie, liebe Leserin und Sie, lieber Leser herzlich dazu ein!

OGV Eichelsbach e.V.

Von Ute Wölfelschneider

 

Inhaltsverzeichnis:

Wintervorbereitungen

Wenn in der zweiten Hälfte des Novembers frostfreies Wetter herrscht, wird immergrünes Gehölze noch einmal bewässert.

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